Die siebenköpfige kanadische Band Arcade Fire, um das Pärchen Win Butler und Régine Chassagne, begeben sich mit ihrem dritten Werk Suburbs zurück in die Vergangenheit. Doch bei ihrer Reise in ihre alten Heimatorte, in denen sie ach so glückliche Kindertage verbrachten, weicht der hohen Erwartung an Kindheitserinnerungen schnell fade Nüchternheit.

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Seit dem 30. Juli 2010 ist das dritte Album der Kanadier in den Plattenläden – und was ist drauf? Die Erwartungen an Arcade Fire sind groß. Dem pompösen Debüt Funeral von 2004, folgte drei Jahre später ein schwermütiger Longplayer, in dem der Unmut über Bushs zweite Amtszeit selbst mit Ohrenklappen nicht zu überhören wäre.

Nach einer kräftezehrenden Welttournee, macht sich bei den Kanadiern der Wunsch nach der Heimat breit. Doch was in den Erinnerungen noch so friedlich und herzerwärmend wirkte, scheint beim heutigen Anblick pure Phantasie gewesen zu sein. Die Vororte zeigen sich in einem völlig anderen Bild – verfallene Häuser, fremde Menschen, abgerissene Gebäude. Dieses Bild, das jeder nun vor Augen hat, ist genau das, was von Win Butler und Co. musikalisch umgesetzt wird und nun auch die Ohren erreicht. „Took a drive into the sprawl to find the places we used to play. It was the loneliest day of my life“ – Desillusionierung, wie sie in den Zeilen von Sprawl I (Flatland) erklingt, könnte klarer nicht sein.

Dennoch sind nicht alle Songs des dritten Werks so schwarzmalerisch, stattdessen finden sich auch hier große inspirierende Stücke. Anders als auf dem Vorgänger Neon Bible, der mit überwältigender Instrumentierung und Aufmachung in den Bann zu ziehen vermochte, weicht hier das Pompöse und macht Platz für subtilen Minimalismus. Diese Umstrukturierung gelingt Arcade Fire ausgesprochen gut, denn ohne ihren eigenwilligen Arcade Fire-Indie Sound zu verlieren, werden bombastische Produktionen einfach über Bord geworfen.

Zum „weniger ist mehr“-Motto kommen noch neue Klänge aus anderen Genres hinzu. Von 80er Jahre Wave, über Punk-Rock bis hin zu Diskobeat gibt es auf Suburbs einiges Neues zu entdecken. Trotz der minimalen Besetzung, die man von Arcade Fire nicht erwartet hätte, schaffen es die Kanadier eine kaum zu fassende, faszinierende Atmosphäre zu erzeugen.

Doch wer beim ersten Reinhören von Suburbs den Faden nicht gleich zu fassen bekommt – der sollte halt noch ein zweites, drittes, viertes Mal reinhören – und schon haben Arcade Fire erreicht was sie wollten. Denn plötzlich kommt man – ohne, dass man es gemerkt hätte, nicht mehr davon los! Großartig!

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