Wem der Name Stromae noch immer kein Begriff ist, hat wohl sich wohl in den letzten 3 Monaten im Urwald  – ohne Radio und TV – aufgehalten. Die erste Single Alors On Danse lief in den Medien rauf und runter – zu Recht, wie ich finde. Nun ist das dazugehörige Debüt-Album Cheese auf dem Markt.

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Hinter dem Namen Stromae steckt Paul van Haver, der in Brüssel geboren und ist Sohn eines ruandischen Vaters und einer belgischen Mutter ist. Mit zarten elf Jahren widmet er sich erstmals der Musik und erlernt nicht nur Schlagzeug, sondern auch Klavier. Vor zehn Jahren findet er den Zugang zum Rap und probiert sich gemeinsam mit anderen Hip Hop Künstlern an verschiedenen Projekten. Das ist auch die Zeit, in der er sich den Namen Stromae gibt. Übrigens nur seine zweite Wahl, da Maestro schon vergeben war, verdrehte er die Buchstaben einfach zu Stromae – so bleibt es irgendwie Maestro.

2009 macht er im Internet auf sich aufmerksam. Viele Videos stehen im Netz, in denen er erklärt, wie man richtig Musik macht. Aber nicht mit großen Rapper Posen und riesigen Goldkettchen. Stromae zeigt sich bis heute im vornehmen Schwiegersohn-Outfit: Fliege und Pullunder – spießiger geht es wohl nimmer.

Aber nun zu seiner Platte: Cheese steht nicht etwa für bekannte Konsorten wie Edamer, Gouda oder Feta. Mit Cheese meint Stromae das Grinsen, dass jeder aufsetzt, wenn Mutti die Kamera in der Hand hat. Genau dieses Lächeln, diese Lebensfreude soll auch sein erstes Werk vermitteln.

Man hätte meinen können, der House ist mit den Neunzigern untergegangen. Aber wenn das so ist, dann hat Stromae den House hiermit wieder zu neuem Leben erweckt. Und mit welchem Charme er dies getan hat – daran sind wohl die französischen Texte Schuld! Alors On Dance war der erste Streich – einer der sich gewaschen hat. Ein erfrischender Mix aus Akustik und ganz viel Electro, zurückhaltender Instrumentierung und der wundervoll weichen Stimme Stromaes.

Leider muss an dieser Stelle auch gesagt werden, dass er mit dem Song die Erwartung so hoch gesteckt hat, die die restlichen Songs des Albums nicht erfüllen können. Der Hörer muss sich nicht lange in das Album einhören – denn die eingängigen Synthies von Alors On Danse finden sich in allen Songs wieder. Hat natürlich einen unangenehmen redundanten Effekt, der schnell zu Langeweile führen kann.

Aufgewertet wird der Sound aber definitiv durch tiefgründige Texte. So greift er beispielsweise in Te Quiero das Thema Liebe und Tod auf. Wer  – wie ich – dem Französischunterricht fern geblieben ist, dem bleibt zumindest der wundervolle Klang dieser Sprache.

Also insgesamt ein solides Werk, das aufgrund der wiederkehrenden Synthies ein wenig monoton daherkommt. Aber im Gegensatz zum House der Neunziger, glänzt Stromae mit intelligenten Inhalten.

 

Fotoquelle: Thinkstock, dv862015, Photodisc, Digital Vision