Seit letztem Freitag (03.09.2010) steht nun die lang erhoffte vierte Platte der Jungs von Interpol in den Läden. Sie heißt schlicht und ergreifend Interpol – eine Zäsur, ein Neuanfang oder beides?

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Man kann ohne Zweifel sagen, dass es das letzte Album der Band ist, das auch den Namen Interpol verdient hat. Denn nach dem Ausstieg des Bassisten Carlos Dengler ist auch ein großes Stück von Interpol selbst verloren gegangen – zumindest das, was sie in den letzten 10 Jahren ausgemacht hat. Auch wenn Carlos Dengler vielleicht „nur“ den Bass gezupft hat, so verkörpert doch genau er, was Interpol in ihrer Musik ausdrücken wollen. Kohlrabenschwarzes Haar, ein dunkler Kajalstrich, der die Augen einrahmt und diese geheimnisvolle Aura, die Dengler immer umgab. Genau das ist der Postpunk-Rock-Sound von Interpol. Da Dengler jedoch vor seinem Abgang fleißig and der Platte mitgewirkt hat, hätte der Name also nicht besser gewählt worden sein.

Und was ist nun drauf? Wenn man von der Musik der New Yorker spricht möchte man am liebsten Metaphern aus großen Film-Epen rauskramen, denn wovon Interpol wirklich was verstehen, sind ganz große Gefühle. Das gilt ganz besonders für das vierte Album Interpol, auf dem sie ihre cineastischen Wurzeln mit einem viel ausdifferenzierteren Klangbild als auf vorherigen Alben verbinden.

Die Platte lässt sich klanglich in zwei Hälften teilen. Im ersten Teil der Platte dominieren die ungelenk wirkenden, aber dennoch eleganten Gitarrenriffs von Daniel Kessler, das eher unauffällige Getrommel von Sam Fogarino und das ausfüllende Bassspiel Denglers. Darüber ertönt der klagende Gesang von Paul Banks über Ruhm, Leid und Liebe.

Balladen, Lamentos und Moritaten wirken bei Interpol jedoch nicht wie lächerliche Klagelieder eines Jammernden, der nach Mitleid verlangt. Ganz im Gegenteil – jeder Song wird mitsamt seiner Melancholie in eine bezaubernde Kunstform verwandelt. So lässt der erste Teil des Albums keinen Zweifel daran, dass Interpol wieder ganz die Alten sind.

Doch dann kommt ganz unerwartet der Bruch – die New Yorker experimentieren plötzlich mit verschiedenen Tempi und anderer Instrumentierung. So wird die dominante Gitarre beispielsweise einfach mal durch ein Klavier ersetzt oder Spannung durch unterschiedliche Stilmittel aufgebaut.

Alles in allem gelingt Interpol eine Vereinigung von Neuerfindung und Rückbesinnung, die beweist, dass Interpol nicht starr auf der Stelle treten. Wie aber der Weg nun ohne Dengler weitergehen wird, wird sich noch zeigen.