Die vier Briten um Alex Turner läuten die nächste Indie-Rock-Runde ein. Mit ihrem dritten Album „Humbug“, welches schon in allen Plattenläden erhältlich ist, wollen sie nun an vorherige Erfolge anknüpfen. Ihre neue Single „Crying Lightning“ lässt schon erahnen, was die Fans erwartet.

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Als die Arctic Monkeys 2005 den Musikmarkt eroberten, hätte man eigentlich meinen können, die Leute seien vom überschwappenden Indie-Sound erst einmal gesättigt. Dennoch schafften sie es irgendwie. In den UK Charts verdrängten sie schamlos altbekannte Größen, wie beispielsweise Robbie Williams. Ihre laute, rebellische Art, wie sie auf ihrem Debüt „Whatever People Say I Am, That´s What I´m Not” auf einen einhämmerte, machte einfach Lust auf mehr.

Doch den Sound, den wir bis jetzt von den Burschen gewohnt waren, haben sie jetzt – zumindest zum Teil – abgelegt. Ihre dritte Scheibe spiegelt eindeutig eine Weiterentwicklung von Alex und Co. wider. Vielleicht hat es auch etwas damit zu tun, das sie für die Aufnahme von der kleinen Insel rüber ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten geschippert sind. Josh Homme, Produzent und Frontman der Queens Of The Stone Age hatte die Briten nämlich ins Studio nach Joshua Tree (Kalifornien) eingeladen. Schon nach dem Debüt bekannte er sich als Arctic-Monkey-Fan und wollte bei der neuen Scheibe einfach mal mitmischen! Gesagt – getan! Mitten in der Wüste wurde also das neue Material gemeinsam mit Josh Homme zurechtgebastelt. Man muss sagen – die Kollaboration ist definitiv hörbar.

Anders als bei dem Debüt, kommen die Songs nicht mehr so laut und unbändig daher. Sie wurden nicht einfach so hingerotzt, sondern sind bis ins kleinste Detail durchdacht und das, ohne dabei einen Funken von Künstlichkeit zu vermitteln. Den neuen Weg haben sie aber nur halb durchgezogen. Für drei Songs wurde nämlich der alte Produzent James Ford (Simian Mobile Disco) wieder ins Boot geholt. So auch für „My Propeller“. Trotzdem merkt man, dass die Jungs „älter“ geworden sind.

In der neuen Single „Crying Lightning“ beispielsweise, ist der Einfluss von Homme ganz klar zu spüren. Ob die schweren Gitarren-Riffs, die Poser-Solos oder das dynamische Schlagzeug – seine Handschrift ist unverkennbar. Aber zum Glück, wurde daraus trotzdem kein astreiner Rock á la Stones – das wär auch echt langweilig und so gar nicht Arctic Monkeys like! Vielleicht ist das auch zum Teil der charakteristischen Stimme von Alex Turner zu verdanken. Der hat sich ja auch verändert. Seine Lyrics sind nicht mehr so drastisch schillernd, sondern geben dem Hörer mehr Freiraum für Interpretationen. Da ist wohl sein Nebenprojekt mit Miles Kane (Rascals) als Last Shadow Puppets nicht spurlos an ihm vorübergegangen!

Aber keine Angst – es gibt auch noch ein paar Überreste der alten Monkeys zu hören, wie bei „Potion Approaching“ oder „Pretty Visitos“. Aber man merkt bei dem neuen Album, dass nicht mehr nur die Songs, sondern auch die Umsetzung eine neue wichtige Rolle eingenommen hat. Man hätte es ja fast nicht glauben können, dass von den Briten noch ohne Tempo, Druck oder Dynamik etwas übrig bleibt. Aber ja, ich muss sagen, das neue ruhigere Gewand mit absoluter Lässigkeit steht den Jungs auch ganz gut. Es scheint, wie bei den Strokes damals, ist das dritte Album ein Wendepunkt.

Mal sehen, ob es auch bei euch ankommt!