Julia Marcell begeisterte das Publikum im Berliner Lido am vergangenen Mittwochabend mit polyrhythmischem Elektro-Pop und abwechslungsreicher Bühnenperformance. Musicattack war live dabei.

Anfang September durfte ich die junge polnische Künstlerin Julia Marcell zum ersten Mal live auf einer Bühne beobachten, als sie sich mit ihrer schier unerschöpflichen Energie und ihrer positiven Ausstrahlung den Zuschauern der radioeins Nacht im C-Club präsentierte. Schon damals ahnte ich, dass diese Begegnung mit der polnischen Vanessa Paradis im Schneewittchengewand (wie ich sie zu nennen pflege) nicht die einzige bleiben sollte. Und so folgte vergangenen Mittwoch auch schon das ersehnte Wiedersehen im Lido. Dort bewies Julia Marcell eindrucksvoll, dass sie auch auf den zweiten Blick zu den wohl bemerkenswertesten jungen Künstlern gehört, die ihrer Heimat den Rücken gekehrt haben, um von Berlin aus die ganze Welt zu erobern.

Julia Marcell: Vom polnischen Olsztyn in die deutsche Hauptstadt

Bands wie Retro Stefson aus Island oder Dear Reader aus Südafrika haben es bereits vorgemacht: ein Umzug in die hippe, deutsche Hauptstadt bringt ordentlich Schwung in die Karriere und eröffnet jungen Künstlern neue Möglichkeiten sich und ihre Musik einem breiten Publikum vorzustellen. So erkannte auch Julia Marcell schnell, dass sie – wie sie selbst sagt – ihre „kleine, heile Welt“ in ihrer Heimat Polen verlassen musste, um „neue kreative Impulse“ auf sich einwirken zu lassen. Diese kreativen Impulse fand sie – wie viele andere Künstler vor ihr – in Berlin. Hier ließ sie sich unter anderem auch für ihr zweites Album „June“ inspirieren, das sie gemeinsam mit Produzent Moses Schneider (Beatsteaks, Tocotronic) realisierte. Dieser hatte sie vor einigen Jahren auf der Internetplattform SellaBand entdeckt (auf der Julia erste kreative Ergüsse präsentierte) und sie daraufhin bei den Aufnahmen zu ihrem Debüt „It Might Like You“ unterstützt.

Julia Marcell im Lido Berlin 2011

Nachdem Orchid and Hound aus San Francisco die Zuschauer im Berliner Lido bereits mit einem Hauch von Musical-Flair und eingängigen Pop-Melodien beglückt hatten, betrat Julia Marcell zusammen mit ihrer Band bestehend aus einer Violinistin, einem Bassisten und gleich zwei Schlagzeugern die Bühne. Schnell ergab sich das Publikum den treibenden Rhythmen und der positiven Energie, die die junge Polin ausstrahlt, und begann ausgelassen zu tanzen. Im letzten Drittel des Konzertes machte Julia Marcell die ungewöhnliche Mischung aus traditionellen und modernen, akustischen und elektrischen Instrumenten perfekt, als sie für ihren Song „Matrioszka“ einen Flötisten auf die Bühne holte, den sie extra aus Madagaskar hatte einfliegen lassen. Schien er sich auch im Berliner Club nicht ganz zu Hause zu fühlen, so verlieh er dem Auftritt doch das gewisse Etwas und vollendete das Marcell’sche Gesamtkunstwerk.

Ein wirklich tolles Konzert, Frau Marcell! Beehren Sie uns doch bald wieder!

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