Kaum ist das Immergut Festival 2011 zu Ende gegangen, weckt es schon wieder „Seensüchte“ nach mehr. Auf der Neustrelitzer Open Air Veranstaltung wurden am Freitagnachmittag die Segel gehisst, um zu einer Bootspartie der besonderen Art aufzubrechen. Hier musste kein Fisch auf dem Trockenen zappeln!

Das Immergut 2011 brachte in gewohnt vielfältiger Art und Weise Musik, Literatur, Kunst und Überlebenstraining auf einen Nenner und überraschte sowohl mit Unerhörtem als auch mit Altbekanntem. Nach 10 Jahren des Wartens und Bangens hat es 2011 beispielsweise endlich geklappt die belgischen Alternativ-Rocker dEUS nach Neustrelitz zu locken und sie als Headliner auf die Waldbühne zu holen.

Neben den alten Seehasen waren aber auch junge Heuler wie Chuckamuck aus Berlin oder The Crookes aus Sheffield mit ins Boot gesprungen. Im Birkenhain schlugen Künstler wie Jason Collett (Broken Social Scene) und Gisbert zu Knyphausen ruhigere Töne an, während ihre literarisch und komödiantisch begabten Kollegen Jürgen Kuttner und Tino Hanekamp im Wörtersee um die Wette schwammen.

Immergut 2011: Überraschungsact Jane Fonda Trio

Als das Immergut-Team am 11.05. die letzten 5 Künstlerbestätigungen auf der Homepage verlauten ließ, hätte man meinen können, das sei nun alles gewesen. Als allerdings knapp eine Woche vor Festivalbeginn der Spielplan veröffentlicht wurde, mogelte sich ein weiterer Act auf das Schiff, das bereits 27 Besatzungsmitglieder zählte. Das Jane Fonda Trio werde am Samstagabend um 22.10 Uhr auf der Waldbühne erwartet, so kündete der Zeitplan an. Aber wer zum Teufel ist das denn?

Kaum war der Zeitplan veröffentlicht brodelte auch schon die Gerüchteküche. Wer versteckt sich hinter dem Namen der amerikanischen Schauspielikone? Das Gerüchte-Süppchen wurde letztendlich sogar so heiß gekocht, dass das Management der Ärzte die aufschäumende Spekulation, es handele sich beim Jane Fonda Trio um die selbsternannt „beste Band der Welt“, offiziell negierte.

Am Samstagabend lösten sich sämtliche Gerüchte spätestens dann in Schall und Rauch auf, als das Jane Fonda Trio auf der Bühne erschien. Bodi Bill, die im März ihr neues Album „What!?“ veröffentlichten und bereits beim Jubiläum des Festivals 2009 die Bühne rockten, kehrten zurück auf die Immergut-Bretter und hüllten die Waldbühne in elektronische Klänge.

Retro Stefson: Heiß auf Eis

Jeder Festivalbesucher mag wohl seine persönlichen Highlights 2011 gekürt haben, ich will euch einmal von meinem Aha-Erlebnis berichten. Eiskalt erwischt hat es mich im wahrsten Sinne des Wortes, als die sechs Isländer von Retro Stefson am späten Samstagabend die Bühne betraten und das Zelt nahezu aus allen Nähten platzen ließen. Wie die Sardinen in der Dose, eng aneinander gedrängt, konnten die Zuschauer trotz des mangelnden Platzangebots kaum die Füße still halten. Ich auch nicht.

Ihre ungewöhnliche Mischung aus Indie-Rock, Disco-Pop und exotischen afrikanischen Elementen fühlte sich an wie heiße Kirschen, die sich mit kaltem Vanilleeis vereinigen. Heiß auf Eis! Ein Hörgenuss der ganz besonderen Art. Restlos beeindruckt von der Energie, die die Isländer auf der Bühne verströmten, sah ich mich am Ende des Konzertes wie fern gesteuert den Weg zum Labelzelt einschlagen und fand mich die Geldbörse aufklappend vor dem Fanstand wieder. Schwupps, da wanderte das Album „Kimbabwe“ auch schon in mein ohnehin überfülltes Handtäschchen. Was soll’s?! Für gute Musik sollte man schließlich immer Platz und Geld übrig haben!

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Immer gut rocken kann man auch im kommenden Jahr wieder in Neustrelitz und bis es wieder so weit ist, kann man sich „seensüchtig“ an den vergangenen Erlebnissen erlaben. Für alle, die in diesem Jahr leider zu Hause bleiben mussten, gibt es in den kommenden Tagen noch weitere Schmankerl vom Festivalgelände auf Musicattack. Also dran bleiben! Oder wieder kommen!