Musicattack
Über Charts, Newcomer, Evergreens und alles was laut ist
» Rock
Ein ängstliches Zittern geht durch die internationale Musikindustrie. Kommt eine Zeit, in der keine CDs mehr in den Regalen stehen werden, sondern Musik nur noch kostenfrei im Internet heruntergeladen wird? Nach dem Aufkommen von mp3, angeblich immer größeren Umsatzeinbußen durch illegale downloads und allein über Webseiten promotete Underground-Bands: was man sich einmal als mehr oder weniger einheitliche Musikindustrie mit großen, die Trends setzenden Major-Labels vorstellen konnte, verliert immer mehr an Einfluss und ist durch die Vermarktungsstrategien des Internet in Frage gestellt. Was hier als Horrorszenario beschworen wird, ist natürlich keines für die Verbraucher – die können sich über die gesparten Euros freuen. Auch die Behauptung, die Umsatzeinbußen würden die Förderung von jungen Talenten verhindern ist mehr als fadenscheinig, denn Plattformen wie MySpace und LastFM funktionieren als dezentrale Innovationsgeneratoren und die Erfolgsgeschichten von Bands Clap Your Hands Say Yeah und den Arctic Monkeys beweisen die Unabhängigkeit junger Talente vom big bussiness.
Das Geschäft liegt schon jetzt weit weniger im Verkauf von Tonträgern als noch vor wenigen Jahren und dagegen wird die Vermarktung von Rechten und von Live-Shows immer bedeutender. Nachdem Radiohead mit ihrem Album “In Rainbows” den Anfang gemacht hatten und Nine Inch Nails und Coldplay mit neuen Singles nachgezogen sind haben jetzt auch Metallica angekündigt ihr nächstes Album als kostenlosen Download zur Verfügung zu stellen. Das von den Fans lang erwartete Album “Mission Metallica” wird unter der gleichnamigen Internetadresse ab Mai zu hören sein.
Ob wir es mit dieser großzügigen Veröffentlichungsstrategie aber wirklich mit den ersten Tönen einer Zukunftsmusik zu tun haben ist durchaus fragwürdig – die Pioniere von Radiohead jedenfalls haben angegeben, bei der kostenlosen Internet-Veröffentlichung habe es sich um eine einmalige Aktion gehandelt. Vielleicht also nur ein probates Mittel um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen?
Auf musiksocke.de findet sich alternativ eine Auflistung der Anbietern, die einen legalen Musik Download gegen Gebühr anbieten. [...mehr]
Die englische Electro-Pop-Band The Whip ist längst kein Geheimtipp mehr. Die 2006 von Danny Saville, Lil Fee, Nathan Sudders und Bruce Carter in Manchester gegründete Band ist dabei, sich aus dem Dasein als kleine Indieband herauszuarbeiten. Im Gründungsjahr veröffentlichten sie lediglich die beiden Singles “Frustration” und “Trash” – wobei letzteres übberraschend zum einpeitschenden Indie-Hit avancierte, der weit über Manchester hinaus begeisterte Hörer fand. Nachdem 2007 wieder nur Singles herauskamen, wovon eine immerhin auf einer Compilation des gehypten französischen Electro-Labels Kitsuné landete, ist jetzt endlich auch das erste Album “X Marks Destination” erschienen.
The Whip gehören zu den typischen Vertretern einer Musiker-Generation, die nicht mehr über den großen Plattenvertrag, sondern über Internet-Seiten wie MySpace erfolgreiche Stars werden. The Whip selbst beschreiben sich als “robocop. part man-part machine”, worunter man sich eine Mischung aus den besten Momenten von New Order, Justice und Zoot Woman vorstellen kann: poppige Melodien, die ins Ohr gehen, mit tanzbaren beats, die in die beine gehen – der Retro-Synthie-Sound, der dem Zeitgeist entspricht.
Auf ihrer aktuellen Europatour kommen die vier Briten nun auch für vier Konzerte durch Deutschland und können zeigen ob sie wirklich so einpeitschend sind, wie ihr Name verspricht.
16.Apr. MOLOTOV, HAMBURG
17.Apr. MAGNET, BERLIN
18.Apr. ATOMIC CAFE, MUNICH
19.Apr. ELECTRONIC BEATS FESTIVAL, BONN [...mehr]
“The Wedding Present” haben nach drei Jahren ihr neues Album “El Rey” angekündigt – eine Seltenheit bei den britischen Indierockern.
In den 80er Jahren schafften es die Alternativ-Künstler um den Sänger David Gedge sich einen Namen mit simplen und dabei charmanten kleinen Songs zu machen, unter denen sich laut der britischen Radiolegende John Peel einige der besten Liebeslieder der Rockgeschichte befinden sollen. “The Wedding Present” waren eine der wenigen Bands, die nachdem sie als unabhängiger Indie-Act gestartet hatten, sich auch auf einem Major-Label ihre künstlerische Integrität bewahren konnten.
Obwohl sie zu Beginn der Neunziger sogar ins Guinness-Buch der Rekorde kamen, indem sie über ein Jahr lang jeden Monat eine neue Single veröffentlichten, waren sie mit der Veröffentlichung von Alben etwas geruhsamer: in über zwanzig Jahren brachten sie es nur auf knapp neun vollständige Alben. Es ist also eine kleine Sensation wenn jetzt eine neue Platte angekündigt wird.
Fraglich ist aber, ob die heutige Pop-Welt noch auf solch kleine Sensationen von mittlerweile verblühten Indie-Helden reagiert oder ob “The Wedding Present” nicht zu spät kommen, um noch vom Retro-Revival rund um die Achtziger zu profitieren. Einige treue Fans werden das Album sicherlich ungeduldig erwarten – nicht zuletzt auch deshalb, weil es von der Studiolegende Steve Albini produziert wurde, der in Indie-Kreisen als Garant für Qualität gelten kann. Ende Mai wird “El Rey” erscheinen, dann wird sich zeigen ob es sich gelohnt hat über drei Jahre zu warten. [...mehr]
Mit diesem Erfolg hatte wahrscheinlich wieder einmal nur Stefan Raab selbst gerechnet, als er die Casting-Show „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ ins Leben rief, um einen wirklichen Musikstar für Deutschland zu finden, um schließlich die Schweizerin Stefanie Heinzmann als Siegerin zu küren.
Stefanie Heinzmann entspricht nicht gerade jenem Anforderungsprofil, wie es momentan gerade auf DSDS gesucht wird, aber mit ihrer unbekümmerten und schüchternen Art hat die sympathische Schweizerin scheinbar sofort die Herzen der deutschen Fans erobert. Seit sieben Wochen ist ihr Hit „My man is a mean man“ in den deutschen Single-Charts in den Top Ten platziert. Seit vergangenem Freitag gibt es nun das neue Album von Stefanie Heinzmann in den Läden zu kaufen. Der Titel „Masterplan“ könnte der soliden Karriereplanung der jungen Sängerin entsprungen sein, die sich neben ihren Auftritten noch auf die Schule konzentrieren will. Keine schlechte Variante, denn wie oft hat man es in Deutschland schon erlebt, dass so manches Pop-Sternchen wieder im Nirvana verschwunden ist, oder kennen sie noch Tobias Regner oder Alexander Klaws. Selbst Max Mutzke, der erste Casting-Star von Stefan Raab, der für Deutschland beim Grand Prix startete, konnte mit seinen Alben keinen großen Coup landen, auch wenn die Musik wesentlich wertvoller anzusehen ist wie andere Produkte jener Casting-Stars.
Bei Stefanie Heinzmann habe ich aber das Gefühl, dass hier durchaus eine Sängerin heranreift, die über Jahre hinweg im Musikbusiness bestehen könnte. Mal sehen, wie „Masterplan“ bei den deutschen Fans ankommen wird.
Masterplan:
1. Masterplan
2. My Man Is A Mean Man
3. Like A Bullet
4. Can’t Get You Out Of …
5. I Betcha She Doesn’t …
6. Don’t Call This Love
7. Revolution
8. Free Love
9. If I Don’t Love You Now
10. Painfully Easy
11. Best Thing You Ever Did
12. Only So Much Oil In …
13. Do Your Thing
14. Xtal [...mehr]
R.E.M – die Altmeister des alternativen Rock haben für Ende des Monats die Veröffentlichung ihres neuen Albums „Accelerate“ bekannt gegeben. Der Name des Albums, das übersetzt so viel wie „beschleunigen“ oder „durchstarten“ bedeutet, soll die Fans auf die kommende Open Air Tour der Amerikaner einstimmen.
R.E.M gehören zu den charismatischsten Bands auf diesem Erdball. Die Gruppe, die vor allem in Sänger Michael Stipe einen hohen Wiedererkennungswert erfahren, ist seit jeher der komplizierte Spagat zwischen Glaubwürdigkeit und Kommerz gelungen. Selbst Kritiker der Band müssen neidlos anerkennen, dass R.E.M mit ihren Texten zu komplizierten
Sachverhalten Stellung nehmen können, ohne dass sie Einbußen beim Verkauf erleiden würden. Insbesondere das letzte Studioalbum der Band „Around the sun“ setzte sich intensiv mit der gescheiterten Irak-Politik des amerikanischen Präsidenten George Bush auseinander.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1980 lassen sich R.E.M sehr schlecht kategorisieren. Einflüsse von Rock und Pop finden sich ebenso bei Alben, wie Country- und Folkelemente. Bei der Entstehung ihres neuen Albums hat Produzent Jacknife Lee mitgearbeitet, der unter anderem schon für Erfolge von U2, Snow Patrol und Bloc Party verantwortlich war. Die mehrmaligen Grammy-Gewinner Sänger Michael Stipe, Gitarrist Peter Buck und Bassist Mike Mills haben mit „Accelerate“ wieder ein großartiges Album auf Vinyl gepresst, das sicher nicht nur beim eigenen Anhang großen Anklang finden wird.
Für die deutschen Fans haben die drei Musiker eine ganz besondere Überraschung parat, denn R.E.M werden gleich bei mehreren Open Air Auftritten zu sehen sein.
• 15.07.: Dresden, Elbufer
• 16.07.: Berlin, Waldbühne
• 19.08.: Stuttgart, Ehrenhof Neues Schloss
• 20.08.: St. Goarshausen, Freilichtbühne Loreley
• 22.08.: Würzburg, Feste Marienberg [...mehr]
Ich + ich. Irgendwie kennt man sie- oder ihn? Oder es? Man kennt sie eben doch nicht. Da ich + ich derzeit auf Tour sind, ist es doch längst an der Zeit diese Band ein wenig näher zu beleuchten.
Hinter dem schlichten, aber dennoch interpretationsfähigem Bandnamen “ich + ich” stecken zwei Menschen namens Anette Humpe und Adel Tawil, die die Musikwelt mit melancholischer Popmusik bereichern.
Wie es zu “ich + ich” kam ..
2004 lernten sich die Anette und Adel in einem Berliner Tonstudio kennen. Dort sollte Adel singen und Anette wurde dadurch auf ihn aufmerksam. Dann ging alles ganz schnell. 2005 produzierten dann die beiden ihr erstes Album, welches am 18. Januar auf den Markt kam.
Die erste Single (Geht’s dir schon besser?) aus dem Album stieg sofort in die Charts ein, genau wie Du erinnerst mich an Liebe und Dienen, die sogar in die Top 10 kamen. 2006 folgte dann ihre erste (und sehr erfolgreiche) Deutschlandtournee. Das aktuelle Studio Album “Vom selben Stern” erschien am 29. Juni 2007, woraus die erste gleichnamige Single gekoppelt wurde. Am 9. November 2007 folgte die zweite Single-Auskopplung Stark.
Der Name ist Programm!
Manchmal wundert man sich über die Namen oder “Macken” verschiedener Bands. So auch bei ich + ich, könnte man zuerst vermuten, dass nur eine Person dahinter steckt. Besucht man die Konzerte fühlt man sich in seine ersten Ratespiele zurückversetzt, denn Anette ist bei den Live Konzerten nicht dabei.
Grund: Für sie unerträgliches Lampenfieber und ihre Rolle als allein erziehende Mutter.
Dafür überlässt sie Adel auch den Ruhm, denn auf den Tourplakaten kann man das Portrait von Adel und die Schrift “Adel Tawil in concert” lesen. Respekt für ein solch Verantwortungsvolles und faires Verhalten! Das haben andere Stars ja bekanntlich nicht drauf..
Diskografie:
Alben:
2005:
Ich + Ich
2007:
Vom selben Stern
Singels:
2004:
Geht’s Dir schon besser?
2005:
Du erinnerst mich an Liebe
Dienen
Umarme mich
2007:
Vom selben Stern
Stark
2008:
Junk [...mehr]
Die britische Rockband Radiohead hat mit „Rainbows“ bereits ihr siebentes Album auf den Musikmarkt gebracht und konnte sich damit sogleich in den deutschen Album-Charts platzieren. Die in den späten 80er Jahren gegründete Band steht vor allem für Britpop, Postrock und alternativem Rock.
Auf der „Rainbows“-Platte kann man sofort den Sound der Band wiedererkennen, trotzdem sprüht das Album von neuen Innovationen, wie es sich für große Bands dieses Genres gehört. Die vier Jahre ohne irgendeine Veröffentlichung haben die Bandmitglieder Thom Yorke, Ed O’Brien, Jonny Greenwood, Colin Greenwood und Phil Selway anscheinend sinnvoll genutzt und wieder den unverkennbaren Sound der Band auf Vinyl gebannt.
Die Songs der Platte klingen sehr harmonisch und eingehend. Leider haben die Jungs keinen richtigen Ohrwurm im Stile ihres ersten Hits „Creep“ auf dem Album „Rainbows“ eingebaut, trotzdem sind die leicht „popig“ angehauchten Titel der Platte durchaus hörenswert. Die silbrigen Klänge zeugen von einer Abkehr des härteren Rocks, der auf ihrem letzten Album „Hail tot he Thiefs“ zu hören war. Nach einem Jahrzehnt des Ausprobieren neigen sie eher zur Popmusik, die schon ihre Anfangszeit in den 90er Jahren geprägt hatte. Alles in allem ist das Album sehr gelungen und empfehlenswert.
Tracklist
1. 15 Step
2. Bodysnatchers
3. Nude
4. Weird Fishes/Arpeggi
5. All I Need
6. Faust Arp
7. Reckoner
8. House Of Cards
9. Jigsaw Falling Into Place
10. Videotape [...mehr]



