Kein anderer vermag es so wie er das Klavier zum Sprechen zu bewegen. Auf seinem neuesten Werk „The Unspeakable“ gibt Chilly Gonzales dem Unaussprechbaren Raum und Klang. Ende des Monats bringt er es in Berlin und Hamburg live zu Gehör.

Chilly Gonzales – Meister der Tasten, Rhythmen und Kuriositäten – hat schon durch allerhand Sonderbares auf sich aufmerksam gemacht. Ob im Piano-Duell mit Helge Schneider, als Begleitung der schrägen Peaches oder als Weltrekordler im Solo-Piano-Spiel (den er wohl bemerkt mit über 27 Stunden Dauerspiel hält), Chilly Gonzales ist sowohl musikalisch als auch menschlich immer für eine Überraschung gut.

So auch in diesem Jahr. Nachdem er 2010 sein Electro-Album „Ivory Tower“ mit dazugehörigem Spielfilm veröffentlichte und zusammen mit Peaches das Rock-Musical „Jesus Christ Superstar“ neu interpretierte, sollte man meinen, das sei kaum mehr zu toppen. Aber “The Godfather of Piano” Chilly Gonzales belehrt uns eines Besseren. Auf seinem gerade veröffentlichten neuen Album „The Unspeakable“ macht er scheinbar Unmögliches möglich. Er vereint ein klassisches Kammerorchester mit urban dreckigem Rap, altbackene E- und moderne U-Musik. Ebenso heterogen mag wohl auch das Publikum bei seinen anstehenden Konzerten aussehen. Klassikverfechter und Rapfans vereinen? Ist das zu schaffen?

Definitiv! „The Unspeakable“ vereint Einflüsse, die unterschiedlicher nicht sein könnten und vermengt sie zu einem homogenen Ganzen. Süß, sauer, salzig, bitter und scharf in einem Topf. Kaum zu glauben, dass Rap und Orchester sich so harmonisch zusammenfügen können. Hat Chilly Gonzales damit etwa ein neues Genre geschaffen? Orchester-Rap! Rap-Orchester! Welch denkwürdiger Moment…

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Chilly Gonzales‘ neues Album: „The Unspeakable“

Was mit einem großen Trommelwirbel beginnt und mit Gonzales‘ Paradedisziplin dem Solopiano endet, ist alles in allem schlicht und einfach eine Sensation! Neben Rap und klassischer Orchestermusik finden sich auch exotische, orientalische Klänge (wie z.B. in „Party In My Mind“) auf dem Album. In „Beans“ schafft Gonzales eine nahezu himmlische Atmosphäre mit einem Kirchenchor, in „Bongo Monologue“ lässt er kubanische Trommeln sprechen.

Chilly Gonzales als Retter der Popmusik!?

Der Redakteur der TAZ, der einst schrieb Chilly Gonzales sei die Rettung des Pop, der hatte Recht und Unrecht zugleich. Recht hat er, denn Chilly Gonzales ist der Retter der Popmusik! Unrecht hat er, weil er viel mehr ist als das. Chilly Gonzales weiß nicht nur die Popmusik aus einem dunklen Loch der vollkommenen Eintönigkeit zu erretten, er rettet damit die gesamte Musikkultur. Alle, die die immer wieder kehrenden Melodiewendungen im Mainstream-Schmelztiegel unserer Tage ebenso Leid sind wie ich, werden die neuerlichen kreativen Ergüsse Gonzales‘ lieben.

Anhören! Und nicht vergessen den Mund wieder zu schließen!

Chilly Gonzales Tour 2011: Konzerte in Deutschland

26.06.2011 Berlin – Volksbühne
28.06.2011 Hamburg – Kampnagel

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